0%

Oddgeir Berg Trio

Norwegian //


TEILEN

Info


Oddgeir Berg Trio Pressefoto 2021

Das langsamste Weihnachstalbum aller Zeiten?

Erst „Before Dawn“, dann „In the End of the Night“ – nun legt das Oddgeir Berg Trio das dritte Album vor: „Christmas Came Early“. Der erste Eindruck: Dies kann unmöglich ein Weihnachtsalbum sein! Wo sind die Klassiker, wo sind die Rentierglöckchen? Wahrscheinlich wird so mancher Hörer noch einmal das Cover überprüfen, die Ohren spitzen – und dann, ja dann erkennt man sie tatsächlich: Die so vertrauten Melodien, die uns ein Leben lang begleitet haben. Nur gespielt mit einer hingebungsvollen, hypnotischen Langsamkeit, die so gar nichts mit geschmückten Tannen, Gaben und Gänsebraten zu tun hat. Dies mag nicht das ungewöhnlichste Weihnachtsalbum aller Zeiten sein – eines der radikalsten aber ist es gewiss.

Dabei tut das Oddgeir Berg Trio zunächst einmal nichts anderes, als sich auf die Kernqualitäten des Fests zu konzentrieren: Stille, In-sich-gehen, Entschleunigung. Passend dazu spielen die Norweger auf „Christmas Came Early“ nur wenige Töne – dafür aber die richtigen. Und sie kosten die Noten aus, lassen sie im Raum schweben und verharren, ehe sie zur nächsten übergehen, als sei in jeder ein großes Geheimnis enthalten. Und angesichts der Intensität, mit der diese acht ausgedehnten, klangmalerischen Meditationen die Zeit anhalten, könnte das durchaus der Fall sein.

Hits wie „Es ist ein Ros entsprungen“, „Stille Nacht“ und „In Dulce Jubilo“ bietet das Trio dermaßen zeitlupenhaft dar, dass man sich gelegentlich an Formationen wie Bohren & Der Club of Gore erinnert fühlt – Weihnachten ist in Norwegen dann eben doch ein wenig düsterer als hierzulande. Der ätherisch-klare Klang, von Oddgeir Berg selbst in seinem „Bonker Studio“ realisiert, trägt das seine dazu bei, dass diese Stücke einen in dieselben unwirklichen Übergangszeiten zwischen Tag und Nacht transportieren, die man bereits von den beiden vorangegangenen LPs der Formation kennt.

Letztlich aber ist dies nicht nur Nachtmusik. Immer wieder brechen helle Lichtstrahlen durch die Molltöne. Und auch das leicht kitschige Cover-Motiv und fröhliche Foto, das die Band für das Album geknipst hat, belegen, dass nicht alles hier bierernst genommen werden muss. Man kann „Christmas Came Early“, das Lieder aus England, Norwegen und Deutschland beinhaltet, sogar als eine Art sehr persönliche Umdeutung des beliebten LP-Konzepts aus den 60ern und 70ern betrachten, bei der die besten Weihnachtslieder aus der ganzen Welt zusammengetragen wurden.

Und überhaupt: Warum bis Heiligabend warten, um diese Musik zu genießen? Dieses Album ist wie ein kleines Geschenk, das man sich selbst macht – egal zu welcher Jahreszeit, egal zu welchem Anlass.

0,00
Play Cover Track Title
Track Authors