Anders Aarum

Norway //


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Anders Aarum hat keine Angst vor multiplen Persönlichkeiten. So klingt „Shakin‘ Our Souls“ wie drei Alben in einem: Auf der einen Seite findet sich energieladener Jazz mit klassischen Vorbildern. Auf der anderen stehen traumhaft schwebende Stimmungsbilder, die von pulsierenden Grooves angetrieben werden. Und dann sind da noch gelegentliche Ausflüge in die Gefilde atmosphärischer Elektronik, in denen jegliches Gefühl für Raum und Zeit aussetzt. Aarum will sich nicht einmal festlegen, welches Instrument im Zentrum des Geschehens stehen soll: Rhodes, Moog oder Klavier? Für den Hörer ist es ein Segen, dass er sich einfach nicht entscheiden kann.

Scharfe Trennlinien hätte man von dem umtriebigen Norweger aber auch nicht erwartet. So liest sich die lange Liste von Projekten, in denen er für andere in die Tasten gegriffen hat, wie ein Katalog der Stilrichtungen: Downtempo-Electro für die Soul-Chanteuse Beady Belle; Free-Jazz mit der Ikone Sonny Simmons; der exzentrische Folk der Guro von Germeten. Aus jeder musikalischen Begegnung macht Aarum etwas Persönliches – die Backing Tracks, die er mit seiner Band für Randi Tytingvåg’s „Let Go“ aufnahm, wurden sogar nachträglich, ohne den Gesang, als eigenständiges Album veröffentlicht.

Während der Aufnahmen für die Neo-Disco-Queen Bertine Zetlitz traf Aarum auf Erik Holm, der nun bei vier der Stücke auf „Shakin‘ Our Souls“ hinter den Percussions sitzt. Den Kern der Besetzung bildet indes das Brudergespann Ivar und Magne Thormodsæte. Ihr subtiler, subversiv schwelender Swing ist die ideale Basis für die eleganten und geradezu kosmisch angehauchten Soli des Leaders. So zum Beispiel in dem achteinhalbminütigen „It’s Raining“, das aus der Stille aufzusteigen scheint und unwirklich, zeitlupenhaft an Dynamik hinzugewinnt.

Die Achterbahnfahrt setzt sich auf Albumlänge fort. Einer der Höhepunkte: Ein Cover von Ornette Coleman’s „Una Muy Bonita“. Ob die Freejazz-Legende wohl ihre Freude an dieser spielerischen, geradezu lässigen Interpretation gehabt hätte? Eines jedenfalls haben Coleman und Aarum gemeinsam: Den Mut und absoluten Willen, es sich und dem Hörer niemals zu bequem zu machen.

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