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Helge Lien Trio


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Alles und Alles auf einmal

Nichts deutete vor den Sessions für das aktuelle Album darauf hin, in welche Dimensionen das Helge Lien Trio diesmal vorstoßen würde. Doch war die Zeit reif für einen Neuanfang. Zum ersten Mal seit über 15 Jahren verließ man das vertraute Rainbow Studio in Oslo, um eine einschneidende Veränderung zu verkraften: Den Abschied vom Gründungsmitglied Frode Berg. „Wir standen an einer Weggabelung“, so Lien. Die kreative Energie musste sich geradezu entladen. Plötzlich hatte man so viel Material, dass „10“ zu einem Doppelalbum wurde.

Mit konventionellen Kriterien lässt sich diese Musik nicht mehr fassen. Die Stücke auf „10“ bilden eine veritable Werkstatt für Ideen. Eine Welt zum Sich-Verlieren. Ein genau getaktetes Uhrwerk. Und vor allem: Eine Bestandsaufnahme der Vielseitigkeit dieser Formation. Klangmalerische Piano-Aquarelle und mitreißende Grooves, experimentelle Abstraktionen und runischer Jazz. Dass Lien zu Allem fähig ist, wusste man bereits. Diesmal hat er gleich Alles auf einmal gemacht.

Entscheidend dazu beigetragen hat Neuzugang Mats Eilertsen, der im still rauschenden Opener „Be Patient“ seinen Einstand feiert. Hinter Lien’s Klavierkaskaden entfaltet der Ausnahme-Bassist seine poetische Seite und verleiht der Musik eine mystische Aura. Letztendlich erhalten aber alle Mitglieder die Gelegenheit, sich mit Solo-Stücken in Szene zu setzen. So werden die einzelnen Stimmen auf „10“ individueller, wachsen aber auch als Gruppe noch enger zusammen. Im Zusammenhang mit dem Helge Lien Trio ist oftmals der Begriff der neuen Kammermusik gefallen – das trifft es hier genauer als je zuvor.

Vor allem Lien selbst ist sowohl als Komponist als auch Performer gewachsen. Manche Passagen erinnern an seine eigensinnige Solo-Scheibe „Kattenslager“. An anderer Stelle wiederum wird er zur stakatohaften Beat-Maschine und entwickelt einen eigenen Rhythmus, mal wie losgelöst von Bass und Schlagzeug, dann wiederum ganz eng mit ihnen verzahnt.

Jedes dieser Stücke hat eine eigene Persönlichkeit. Manche sind herbstlich und tröstend. Andere sperrig und verstörend. Doch finden sie alle letzten Endes zusammen. So, wie Zwillinge in einem finsteren Raum. So, wie all die Ideen, die Helge Lien ständig im Kopf herumspuken – die sich zu widersprechen scheinen, hier aber stets, auf ebenso magische wie überraschende Weise, Sinn ergeben.

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