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Gunnar Halle


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Die Stimme der Menschlichkeit

Ist Gunnar Halle noch von dieser Welt? Sein Arbeitspensum wirkt nahezu überirdisch: Kaum ein Monat vergeht, in dem er nicht eine neue Produktion aus Jazz, Elektronik oder Weltmusik mit seinem glasklaren Trompetenklang veredelt; kaum eine Woche verstreicht, ohne dass er im Inspirations-Jetset die Welt bereist. Für sein zweites Solo-Album hingegen hat der Norweger das Tempo bewusst herunter gefahren und sich Zeit gelassen. Darauf klingt er so erkennbar, eigensinnig und zugleich einfühlsam wie nie zuvor. Es ist ein Album wie eine Reise – hin, zu seinem persönlichen Klang, seinem individuellen Stil, seinem eigenen Planeten.

Die Verbindung zu seiner Vergangenheit hat er dabei nie gekappt. So fängt „Planet Halle“ ziemlich genau dort an, wo das gefeierte „Istanbul Sky“ aufgehört hat: Der vertrackt nach vorne gehende Opener „Black Matter“ wirkt wie eine Fortsetzung von „Tropehjelm“, welches „Istanbul Sky“ vor vier Jahren ausläutete: Über einem wuchtigen Riff schwingt sich Halle in ungeahnte Höhen und beschwört den Geist von „Bitches Brew“. Unmittelbar nach dem fulminanten Einstieg aber setzt der Bruch ein, die Band taucht in ruhigere Fahrwässer. Sie wird sie bis zum Schluss nie ganz verlassen. „The Bright Side of the Moon“ heißt eine der Kompositionen hier. Doch auch diese liegt bekanntermaßen noch in der Nacht.

Aufs erste Hören wirkt „Planet Halle“ somit vor allem nachdenklicher und geschlossener als „Istanbul Sky“, das gerade mit eklektischen Stilbrüchen glänzte. Dennoch legt Halle kein reines Balladen-Album vor. Das Fundament nahezu aller Tracks ist ein schwelender Rock-Sound, um den sich ein feines Gerüst aus Melodien und Harmonien entspinnt. Bezeichnenderweise ist das vielleicht prägende Instrument neben Halles Trompete ausgerechnet das Schlagzeug: Die beiden Drummer Wetle Holte und Knut Finsrud unterlegen die Stücke mit einem schleppend-süffigen Groove, der zu einem charakteristischen Erkennungsmerkmale des Albums wird.

Während der Gesamtklang eher in Richtung Jazz-Rock tendiert, markiert die Scheibe zugleich eine Besinnung auf Halles frühe Wurzeln in intelligenter Elektronik. Seine sinnlich surrenden Synthesizer verleihen den Arrangements subtil einen kosmischen Touch, während die Beats gelegentlich so hyper-detailliert und übersinnlich wirken, als seien sie programmiert.

In dieser Galaxie ist Halles Trompete die Stimme der Menschlichkeit. Sie sorgt dafür, dass Experiment und Schönheit Hand in Hand gehen – und diese Reise zu fernen Planeten stets auch eine Reise in uns selbst ist.

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